Zum Gedenken an Frater Ignacio und Frater Stanislav
Zwei große Vorbilder der Hospitalität
Im März 2013 sind zwei Brüder zum Vater heimgegangen, die geographisch, sprachlich und kulturell durch Tausende von Kilometern getrennt waren, aber in Hingabe und Treue zur Hospitalität innig miteinander verbunden waren: Frater Ignacio Pastrana Rodríguez und Frater Stanislav Jiri Fiala, sac.
Frater Ignacio Pastrana Rodríguez wurde am 21. April 1918 in Bornos (Cádiz) in Spanien geboren und trat 1948 in den Orden ein. Er legte die einfache Profess am 24. Oktober 1949 und die feierliche drei Jahre später am 24. Oktober 1952 ab. In den 63 Jahren seines intensiven Ordenslebens übte er zahlreiche Dienste an den verschiedensten Orten aus. Von 1949 bis 1953 war er in der Verwaltung der Landwirtschaft und im Nachtdienst bei den Behinderten in der Einrichtung von Ciempozuelos tätig. Von 1953 bis 1956 ist er “Limosnero” in Granada. “Limosnero” bezeichnet in der spanischen Ordenstradition den „Bettelbruder“, also den Bruder, der, Tag ein Tag aus, herumzieht, um Almosen für die Armen zu erbitten. Dabei handelt es sich vielfach nicht um Geldspenden, sondern um Sachspenden (Agrarprodukte, Lebensmittel, Kleider usw.). Diese Aufgabe wird künftig zur Haupttätigkeit von Frater Ignacio. Nachdem er von 1956 bis 1963 noch einmal nach Ciempozuelos zurückkehrt, wo er erneut im Nacht- und Küchendienst eingesetzt wird, ist er nur mehr als “Limosnero” unterwegs: von 1963 bis 1969 in Caracas in Venezuela, von 1969 bis 1975 in Sevilla und von 1975 bis 2013, praktisch bis zu seinem Tod, in Granada. Ein typischer Ausspruch von ihm, bevor er das Haus zum Betteln verließ, war: “Chiquillos voy a ver ci me dan argo pa los pobres” (Kinder, ich geh raus, um zu sehen, ob ich was für die Armen bekomme). Die Armen bildeten das Lebenszentrum von Frater Ignacio. Ihnen schenkte er all seine Kräfte und all seine Zeit. Er war ein sehr bescheidener und zugleich umgänglicher Mensch, den alle liebten: Brüder, Mitarbeiter, Wohltäter und, vor allem, die Armen. Außer eine großen Sensibilität für die Mitmenschen, zeichnete Frater Ignacio eine große Liebe zu Pflanzen und Tieren aus. Bis ans Ende seiner Tage goss er die Blumen im Krankenhaus San Rafael in Granada und kümmerte sich um die Kanarienvögel, die er zur Erfreuung der Kommunität hielt. Frater Ignacio ist am 25. März 2013 in Granada im Alter von 94 Jahren und 63 Professjahren verstorben.
Frater Stanislav Jiri Fiala, sac., wurde, Tausende Kilometer von der Heimat von Frater Ignacio auf der entgegengesetzten Seite Europas, in der Tschechei am 3. April 1930 geboren und trat 1947 dem Orden der Barmherzigen Brüder in Prag bei. 1949 wurde er im Noviziat des Konvents Brünn aufgenommen. Gleichzeitig stellte er einen Antrag für die Studien der Medizin und Theologie. Das Medizinstudium wurde 1950 abgelehnt, aber das kommunistische Regime bot ihm das Studium der Theologie an, unter der Bedingung den Orden zu verlassen. Anstelle der Annahme des Angebots brach er daraufhin sein Theologiestudium ab. Kurzfristig wirkte er in Valtice (Feldsberg), anschließend ging er in den Konvent der Barmherzigen Brüder Prostejov. Zwischen Sommer 1951 und 1953 absolvierte er den Präsenzdienst in Tabor. Am 16. Mai 1959 erlebte er im Konvent Prostejov die gewaltsame Vertreibung der kirchlichen Orden. Er wurde versetzt nach Velehrad, um sich dort um Menschen mit körperlicher Behinderung zu kümmern. Ab diesem Zeitpunkt absolviert er eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Uherske Hradiste. Ab 1968 setzte er sein Theologiestudium fort. Im Jahr 1972 wurde er von Bischof Dr. Stepan Trochty zum Priester in der Kathedrale des hl. Vaclav in Olomoc geweiht. In den Jahren 1972 bis 1982 wirkte er als Priester in Svitavy, Zlin Slavicin und Ivanovice na Hané. 1982 wurde er zum Dekan in Vyskov ernannt. Von 1992 bis 2004 war er Provinzial der Tschechisch-Böhmischen Provinz. Bescheiden, freundlich und achtsam für die Bedürfnisse seines Gegenübers, verdient Frater Stanislav vor allem, aufgrund seiner unerschütterlichen Treue zum Gelübde der Hospitalität erinnert zu werden. Bezeichnend für seinen Weg ist das Bibelzitat, das für seine Todesanzeige gewählt wurde: “Wer Gott liebt, für den wird alles gut, was immer auch geschieht“ (Römer 8, 28). Frater Stanislav starb am 2. März 2013 in Boskovice im Alter von 82 Jahren und 56 Professjahren.
Requiescat in pace.






